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Gesichtskontrolle

Wie schon erwähnt, bin ich gestern von Zürich nach Amsterdam und von da weiter nach Seoul geflogen. Mittlerweile bin ich in Südkorea, was aber gar nicht so selbstverständlich ist. In Amsterdam nämlich, wurde es kurz brenzlig und das kam so:

Ich hatte fast vier Stunden Zeit, um im Flughafen Schiphol von einem Gate zum anderen zu gelangen. Ich dachte mir also, dass ich  mir einen Kaffee und das mitgebrachte Buch schnappe und mich irgendwo in der Nähe des Gates verkrieche. Ich bin also schon bald nach der Landung zur Passkontrolle geschlendert um zum von mir ausgedachten Ziel zu gelangen. Als ich an der Reihe war, hielt der Beamte inne, schaute meinen Pass an, schaute mich an, schaute das Bild in meinem Pass an, schaute mich an… irgendwann forderte er mich auf, meine Brille abzunehmen, weil ich eigentlich nur auf Langstreckenflüge Brille trage und deshalb auch das Passbild brillenlos war. Dann drückte er toootal unauffällig einen Knopf, worauf wie der Blitz eine andere Fachkraft erschien. Der Beamte instruierte den Blitz, der mich aufforderte, ihm zu folgen.

Na bravo. Zum Glück hatte ich es nicht eilig.

Wir gingen also an einen anderen Ort, unmittelbar neben der Passkontrolle. Dort schaute mich der Blitz an, dann wieder das Bild, dann wieder mich, dann rief er eine Dame. Ich hatte es nicht eilig, aber ewig wollte ich auch nicht dort stehen. Dame kam, schaute das Passbild an, schaute mich an, sagte sowas wie „Chofferdechel, Vanderchlammer“ und rief einen weiteren Kollegen (das ist kein Witz!). Tick tack, tick, tack. Dieser kam, schaute mich an, schaute das Bild in meinem Pass an, und so weiter. Es kam ein nächster (tick, tack, tick, tack) und noch ein nächster (immer noch kein Witz!). Irgendwann wurde ein Supervisor oder auf jeden Fall eine Fachkraft herbeigerufen, die nicht kaukasisch war, sondern starkpigmentiert (ich bemühe mich hier sehr um politische Korrektheit). Es war ein Kommen und Gehen, immer wieder erschienen neue Menschen und sie reichten meinen Pass wie eine Trophäe herum. Tick, tack, tick, tack. Einmal standen da sechs uniformierte Holländer und schauten mich an. Und nein, ich habe nicht gefragt, ob sie „Das Schweigen der Lämmer“ nachstellten, ich wollte mich ja nicht noch mehr in die Bredouille manövrieren. Als der Primus inter pares allerdings sagte, ich solle mal lachen, wäre es wohl klüger gewesen, ich hätte ihm die Zähne gezeigt statt zu sagen, dass mir dieses lustige Trüppchen wirklich noch gar nichts zum Lachen gegeben hätte.

Und dann holte der Gute noch eine Lupe. TICK, TACK, TICK, TACK. Mit der Lupe wurde also das Bild im Pass gaaanz genau angeschaut. Es waren insgesamt neun Uniformierte, die mich und das Bild in meinem Pass anstarrten.

Und dann kam der Beamte zu mir und sagte, ich hätte eben auf dem Bild lange Haare, zusammen gebunden und keine Brille und jetzt hätte ich kurze Haare und eine Brille (kreisch, wieso hat mir niemand gesagt, dass meine Haare nicht mehr lang sind?). Ich solle doch in meinem Heimatland mit einem aktuellen Bild zur Botschaft gehen und das in den Pass heften lassen. Ich sagte, dass wir keine Botschaft hätten, aber darauf ging er nicht ein, weil auch mir klar ist, dass er das auch gar nicht so gemeint hatte, aber weil ich unterdessen doch leicht aufmüpfig war, konnte ich mir den nicht verkneifen.

Am Ende drückte er mir ein Schreiben in die Hand und entschuldigte sich. Hier der Inhalt des Schreibens:

Koninklijke Marechaussee, Brigade Grensbewaking

Second-Line Check

Pursuant to Article 7, parapgraph 5 of European Regulation no. 562/2006, you are to undergo a thorough check at Schiphol Airport, 15-12-2009, by Wachtmeester Kaasklompen* personnel identification number: XXXX* Please note that this check may take some time.

*Name und ID-# der Red. bekannt