Und weg
Heute gegen Mittag bringt LG mich zum Flughafen und dann verschwinde ich für eine Weile. Wahrscheinlich würde das gar niemand bemerken, weil ich Telefon und Notebook wie immer bei mir habe. Trotzdem – für mich und meine Familie ist das ein einschneidendes Erlebnis.
Ich fliege von Zürich via Amsterdam nach Seoul zu meiner Mutter und meinen Geschwistern. Ich habe eine ältere Schwester und einen jüngeren Bruder, die allerdings in Korea aufgewachsen sind und entsprechend Koreanisch sprechen, was praktisch ist, weil sie ja sonst ihre Landsleute nicht verstehen würden und da sind wir beim Punkt.
Ich spreche kein Koreanisch. Obwohl ich es mir vor ein paar Jahren ein bisschen angeeignet habe, ist es doch so, dass ich mich noch nicht mal abschliessend über das Wetter unterhalten kann. Das macht die anstehende Situation aber eben auch etwas seltsam. Denn wer kennt das, dass man mit der eigenen Familie in ein und demselben Raum sitzt und kein Wort dessen versteht, was die anderen sagen. Ziemlich abgefahren, kann ich euch sagen. Meinen blinden Vater gehe ich diesmal gar nicht erst besuchen – diese Situation ist ja schon fast skurril… treffen sich ein Blinder und eine Stumme… hahaha.
Trotzdem wird das eine gute Sache, weil eine Mutter immer eine Mutter ist und sie mir auch essen kocht, ohne dass ich mit ihr über den vorangegangenen Marktbesuch sprechen kann. Weil sich meine Schwester über die Geschenke freuen wird, die ich ihrem kleinen Sohn mitbringen werde. Weil mir mein Bruder Respekt zollen wird, nur schon weil ich die ältere Schwester bin und sich das einfach gehört in einem Land konfuzianischer Prägung. Weil ich viele Freunde treffen werde, die ich über die Jahre in Korea kennengelernt habe und weil ich 12 Tage lang sensationell gut essen werde. Weil ich solange schlafen kann, wie ich mag. Und weil ich Zeit habe, Bücher zu lesen.
Bis bald.

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