Nix gut
Walliser zu heissen bedeutet nicht notwendigerweise, sich wie ein Walliser zu verhalten.
Auf Gut trifft das offenbar auch zu.
Walliser zu heissen bedeutet nicht notwendigerweise, sich wie ein Walliser zu verhalten.
Auf Gut trifft das offenbar auch zu.
Soeben schaue ich Tagi online etwas durch und stolpere über den Artikel „Simon Ammann juhli kosteassa yössä“. Ich habe nicht die geringste Ahnung, was das heissen könnte, weil ich leider nicht Finnisch sprächätärä.
Tagi online aber berichtet von einer Zeitung namens Savon Sanomat, die wider Erwarten weder über Seifenherstellungstechniken noch über Gesundheitsmaschinerien schreibt, sondern etwas über Simon „se overflyer“ Ammann. Dieser und Andreas „se poor swine“ Küttel hätten sich in Kuopio, mit 90‘000 Einwohnern immerhin die achtgrösste Stadt des Landes, ins Nachtleben gestürzt.
Ich will nun niemandem zu nahe treten und ich will auch nicht behaupten, die Seifenzeitung lüge, aber ich war schon mal in Kuopio. Mehrmals. Ich weiss nicht, wo sich die 90‘000 Einwohner von Kuopio im Winter verstecken, aber ich und meine Reisegspänli waren schon froh, wenn wir in Kuopio 90 Menschen am Tag begegnet sind. Wo sich die anderen 89‘910 Kuopianer rumdümpelten, entzieht sich bis heute meinen Kenntnissen.
Weiter weiss Savon Sanomat, dass Ammann und Küttel dem Konzert von verschiedenen ehemaligen Skispringern beigewohnt haben. Von Jussi Hautamäkki, Olli Happonen und Ville Kantee. Letzerer hat sich dieselbe wohl gegeben. Kreiiiisch! Wie skandalös! Zwei Schweizer feiern in Kuopio und dort steppt bekanntlich der Bär.
Am Ende gibt es dann doch noch eine Übersetzung von juhli kosteassa yössä. In feuchtfröhlicher Nacht feiern, heisst das. Sage nicht ich, sagen DIE. Ich kann das ja noch immer nicht glauben. Damals war in Kuopio gar nichts feucht und fröhlich noch weniger. Nur Nacht. Knapp 20 Stunden täglich.
Eines voraus. Ich mag Simon Ammann. Und ich habe grossen Respekt vor seinen Leistungen. Doppel-Doppel-Olympiasieger, das klingt ja auch wirklich-wirklich toll.
ABER
Seine Brille. Offenbar wollen Billionen-Tausend Menschen weltweit dieselbe Brille kaufen. Hey voll cool, hey. Gross ist sie. Weiss umrandet. Und – man möge mir das vergeben, ich muss es einfach sagen – sie sieht einfach voll doof aus.
So ein Gebrüll zu tragen finde ich irgendwie lachhaft. Obwohl, wenn jemand ein Recht auf Peinlichkeit hat, dann bestimmt ein Mensch wie Simon, der soviel erreicht und gewonnen hat. Fragt sich bloss, wieso es niemanden gibt, der Simon genug mag um ihm zu sagen, dass er sich keinen Gefallen macht damit. Ausser, er findet das Prädikat „lustig“ nicht beunruhigend, wenn es um optische Merkmale geht.
Klar werden jetzt viele Menschen denken, ich sei oberflächlich und es komme schlicht nicht auf das Aussehen eines Spitzensportlers an und ich muss sagen, dass diese Leute recht haben damit, denn es spielt wirklich keine Rolle. Trotzdem finde ich, dass man sich auch nicht so leicht der Lächerlichkeit preisgeben sollte. Doppel-Doppel-Olympiasieger hin oder her. Und was meine Oberflächlichkeit angeht .. pffts – mir doch egal, solange ich keine solche Brille tragen muss.
Vielleicht bin ich auch einfach nur Olympiageschädigt. Es ist vorbei. Darios Sturz tut noch immer weh. Aber bis Sotschi wird das wieder.
Das hier, das wird sowas wie eine Liebeserklärung. Eine an Dario Cologna. Denn ehrlich gesagt hatte ich in meinem Leben Freunde, für die ich weniger Mitgefühl empfand als momentan für Dario.
Aber mal von vorne.
Vorher fand an den Olympischen Winterspielen der 50er der Männer statt. Das ist sozusagen die Königsdisziplin. Sie wurde in der klassischen Technik ausgetragen. Dario Cologna, unser Trumpf aus dem Val Müstair (wir Bündner halten so oder so immer zusammen) war von Anfang an gut dabei.
Alles klappte, auch die Skiwechsel, was gar nicht so selbstverständlich ist, ich erinnere nur mal an Jean-Marc Gaillard, der nach dem Wechsel zuerst noch das Skiband (zum Zusammenhalten der Skier) vom Ski klauben musste. Ich könnte mir vorstellen, dass sich das Verhältnis von Jean-Marc und seinem Servicemann momentan in einem etwas frösteligen Stadium befindet, aber was interessieren mich die Franzosen. Zurück zu Dario.
Dario lief gut. Schön. Clever. Und viele fieberten mit. Man konnte dem Rennende gelassen entgegen sehen, denn Dario machte auch nach 40 Kilometern noch einen frischen Eindruck. Aber logo war ich trotzdem nah am Herzinfarkt, denn ich fiebere immer mit. Auf jeden Fall bei den Kunstturnern und den Genossen im Ski nordisch (nicht, dass ich Sportarten wie Bob oder Skeleton oder Rodeln oder Curling nicht auch extreeem spannend fände (als ich allerdings gehört habe, wie der Bronze-Curler Jan Hauser im Interview sagte, er habe sich vorgenommen, aggressiv zu spielen, fand ich das schon irgendwie seltsam)). Ich schweife ab. Zurück zum 50km Langlaufrennen. Es war gut. Und niemand schien sich Sorgen zu machen. Auch nicht, als Dario bei Kilometer 47 anfing, seinen Arm zu schütteln. Wenn er zum Sieg läuft, kann er das auch mit schlafendem Arm tun, finde ich. Wer bin ich denn, seine Extremitäten zu kritisieren.
Und dann, weniger als einen Kilometer vor dem Ziel drückten die Mitstreiter aufs Tempo. Und noch immer war alles im grünen Bereich, die Medaille zum Abholen schien bereitzuliegen. Nur noch die letzte Zielkurve. Go Dario. Achtung ein Schwede links! Und dann. Ich mag es gar nicht schreiben.
Ich war sprachlos. Ich schlug mir die Hand vor den Mund. Vor die Augen. An die Stirn. Mir war schlecht. Mein Puls raste.
Ich glaube, Jeannine (ja ja, DIE Jeannine) und Reto ging es ähnlich.
Was soll ich hier also schreiben. Sometimes, things don’t go the way they suppose to. Was für eine verdammte Scheisse.
Auf facebook gibt es eine Gruppe, die sich „The Olympic Games“ nennt, von der man Fan werden kann. Soweit so gut. Heute wurde dort die Frage gestellt, auf welche Bewerbe man sich bei den kommenden olympischen Winterspielen in Vancouver besonders freue. Innerhalb von zwei Stunden gab es 1‘424 Kommentare.
Viele davon finden Eiskunstlaufen spannend. Und die alpinen Skirennen. Hockey auch, sogar Curling! Auffällig oft kam noch der Begriff „Luge“ von dem ich – ich gebe es zu – zuerst mal nachschauen musste, was der überhaupt bedeutet. Rodeln. Ja, finde ich auch unglaublich spannend. So spannend, dass ich es kaum ertrage, es zu sehen…
Dann gibt es noch die total originellen Fans, die alles extrem total spannend finden, solange Amerikaner mitmischen. Ich gehöre nicht dazu.
Und dann gab es noch diesen Kommentar eines Mannes, den ich rein optisch der Karibik zuordnen würde, der „high jump“ schrieb. Ich würde sagen, er oder ich haben da etwas falsch verstanden. Trotzdem fand ich ihn irgendwie am sympathischsten.
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