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Archive for the ‘daily lunacy’ Category

Haarige Sache

March 9th, 2010 Diva 2 comments

Normalerweise führe ich ein mehr oder weniger ruhiges und meist sorgenfreies Leben auf dem Lande. Hie und da ereignen sich Dinge, die mein Nervenkostüm ein wenig strapazieren. Zum Beispiel Schnee und Temperaturen von minus 10° im März. Sonst aber schlägt der Adrenalinpendel auffällig selten aus. Bis auf die Tage, an denen ich mich für einen Coiffeurbesuch entscheide. Gestern war so ein Tag.

Es hatte in erster Linie damit zu tun, dass Notschka dringend einen Haarschnitt benötigte, weil ihr die andere Coiffeuse, bei der sie mit meiner Schwiegermutter im Dezember war, so etwas wie einen Rundschnitt verpasste, was ja lustig sein mag bei kleinen Kindern. Allerdings nur bei anderen kleinen Kindern. Ich liess mir also einen Termin geben für meine Tochter und … ach was, setze ich mich doch auch gleich hin, wenn wir schon mal da sind…

Gestern, als ich auf dem Coiffeurstuhl sass, fand ich es noch okay. Gestern war aber eben auch Montag. Gestern dachte ich mir nichts dabei, die Haare hinten im Nacken etwas länger und vorne etwas kürzer zu tragen, Vokuhila, sozusagen. Gestern schmierte mir die Coiffeuse auch reichlich Haargel ultra-extrem-total-krass-strong in die Haare.

Nachdem Notschka und ich daheim geduscht hatten, fand ich es schon nicht mehr ganz so nett. Und heute nach dem Aufstehen erinnert mich mein Spiegelbild frappant an den Haarschnitt einer ziemlich androgynen (mit leichtem Hang zum männlichen) Leichtathletin mit Leistungsspitzen im Hammerwerfen und/oder Kugelstossen und/oder Speerwerfen mit Herkunft DDR oder Tschechoslowakei oder Kasachstan oder etwas anderem HINTER dem Vorhang. Und damit keine Missverständnisse aufkommen. Ich meine die andere Frisur. Nicht die Dauerwelle mit Coupe Soleil. Da ich nun aber ausgeprägte Asiatische Merkmale habe, könnte es auch der Haarschnitt einer chinesischen Gewichtheberin sein.

Und Notschka trägt jetzt einen schönen Pagenschnitt. Ich wünschte, ich könnte mit ihr tauschen.

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Ach Dario

February 28th, 2010 Diva No comments

Das hier, das wird sowas wie eine Liebeserklärung. Eine an Dario Cologna. Denn ehrlich gesagt hatte ich in meinem Leben Freunde, für die ich weniger Mitgefühl empfand als momentan für Dario.

Aber mal von vorne.

Vorher fand an den Olympischen Winterspielen der 50er der Männer statt. Das ist sozusagen die Königsdisziplin. Sie wurde in der klassischen Technik ausgetragen. Dario Cologna, unser Trumpf aus dem Val Müstair (wir Bündner halten so oder so immer zusammen) war von Anfang an gut dabei.

Alles klappte, auch die Skiwechsel, was gar nicht so selbstverständlich ist, ich erinnere nur mal an Jean-Marc Gaillard, der nach dem Wechsel zuerst noch das Skiband (zum Zusammenhalten der Skier) vom Ski klauben musste. Ich könnte mir vorstellen, dass sich das Verhältnis von Jean-Marc und seinem Servicemann momentan in einem etwas frösteligen Stadium befindet, aber was interessieren mich die Franzosen. Zurück zu Dario.

Dario lief gut. Schön. Clever. Und viele fieberten mit. Man konnte dem Rennende gelassen entgegen sehen, denn Dario machte auch nach 40 Kilometern noch einen frischen Eindruck. Aber logo war ich trotzdem nah am Herzinfarkt, denn ich fiebere immer mit. Auf jeden Fall bei den Kunstturnern und den Genossen im Ski nordisch (nicht, dass ich Sportarten wie Bob oder Skeleton oder Rodeln oder Curling nicht auch extreeem spannend fände (als ich allerdings gehört habe, wie der Bronze-Curler Jan Hauser im Interview sagte, er habe sich vorgenommen, aggressiv zu spielen, fand ich das schon irgendwie seltsam)). Ich schweife ab. Zurück zum 50km Langlaufrennen. Es war gut. Und niemand schien sich Sorgen zu machen. Auch nicht, als Dario bei Kilometer 47 anfing, seinen Arm zu schütteln. Wenn er zum Sieg läuft, kann er das auch mit schlafendem Arm tun, finde ich. Wer bin ich denn, seine Extremitäten zu kritisieren.

Und dann, weniger als einen Kilometer vor dem Ziel drückten die Mitstreiter aufs Tempo. Und noch immer war alles im grünen Bereich, die Medaille zum Abholen schien bereitzuliegen. Nur noch die letzte Zielkurve. Go Dario. Achtung ein Schwede links! Und dann. Ich mag es gar nicht schreiben.

Ich war sprachlos. Ich schlug mir die Hand vor den Mund. Vor die Augen. An die Stirn. Mir war schlecht. Mein Puls raste.

Ich glaube, Jeannine (ja ja, DIE Jeannine) und Reto ging es ähnlich.

Was soll ich hier also schreiben. Sometimes, things don’t go the way they suppose to. Was für eine verdammte Scheisse.

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Guets Mörgeli

February 28th, 2010 Diva No comments

Schlagzeile von heute: „Mörgeli bekommt einen deutschen Chef“

okay.

(hihihihihihihi)

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Ausgedeutscht

February 25th, 2010 Diva No comments

Vor ein paar Tagen habe ich mal wieder das Radio eingeschaltet. Ich wurde Ohrenzeuge eines Interviews, über welches ich mich schon von der ersten Sekunde an aufregte. Es war ein Gespräch mit einem Schweizer Musiker, Sänger einer Band. Und der sagte doch tatsächlich, er wolle das Interview auf Englisch geführt haben, weil er ja auch auf Englisch singe.

Himmelarschundtaubenschiss!

Es erinnerte mich penetrant an die Menschen, die das erste Mal eine Pauschalreise nach Florida buchen (10 Tage, inkl. einem Ausflug in die Everglades zum Krokos gucken und einen Ausflug nach Orlando ins Disney World) und nach der Landung in Zürich-Kloten, äh Unique Zurich Airport (pardong, hä) so tun, als hätten sie in der Zwischenzeit die Muttersprache vergessen. In jedem Satz müssen sie nach den richtigen Begriffen suchen und sie sehen aus, als würden sie gerade Signale an das Mutterschiff senden. Und klar ist es extremely funny, you know und die Reise war auch sooo exciting und das Essen einfach delicous. Und sie tun so, als hätten sie Kartoffeln oder anderes Wurzelgemüse im Mund und alles ist so nice.

Also wurde das Interview auf Englisch geführt. Der Mann hatte ja auch ein gutes Argument dafür. Und bestimmt spricht er auch immer Spanisch, wenn er Paella isst. Und Russisch beim Roulette.

Russisch ist sowieso ganz toll. Ich war mal in Russland. Habe in Москва einen Sprachaufenthalt gemacht. Es hat mir очень хорошо gefallen. Es ist einfach manchmal трудный, die richtigen Worte auf немецкий zu finden. Я люблю Россию!

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Mausetot

February 16th, 2010 Diva 1 comment

Wir leben auf dem Land. Und auf dem Land heisst eben auch, nah an der Natur und damit irgendwie näher am Tod. Als wir gestern spazieren gingen, lag beim nächstgelegenen Bauernhof ein totes Kalb in der Stalltür, kurz bevor es abgeholt wurde. Klar beeindruckte das Tienka gar nicht, die ist kürzlich erst jährig geworden, aber die Grosse blieb stehen und starrte das leblose Tier an. Ich wusste, dass ich jetzt zwei Möglichkeiten hatte. Entweder, so zu tun als wäre gar nichts und ach ach, wie lustig, das Kälbchen schläft aber tief, haha, guck mal und was für ein Zufall, es ist einfach auf der Schwelle in einen komatösen Schlaf gesunken. Oder aber – und ich entschied mich dafür – die Sache beim Namen zu nennen. Tot, tot, mausetot!

Wir gingen weiter, fütterten die Hasen auf einem anderen Bauernhof mit Rüebli und hartem Brot und liefen dann zurück, vorbei an besagtem Stall. Notschka bemerkte, dass das Kalb jetzt weg sei. Wo es denn jetzt sei, fragte sie und ich sagte wahrheitsgemäss, dass ich keine Ahnung hätte. Und hoffte irgendwie, das Thema sei damit erschlagen. Aber natürlich war es das nicht. Später am Tag fragte mich unsere Grosse, wo man dann sei, wenn man tot sei. In diesen Situationen wünschte ich mir manchmal, ich wäre wenigstens ein kleines bisschen religiös und könnte etwas vom Himmel erzählen. Aber ich bin es nicht und sagte, ich wisse das wirklich nicht, das wisse niemand so genau, aber wir hätten ein Bewusstsein oder so etwas ähnliches, das man Seele nennt und diese Seele sei wahrscheinlich schon noch irgendwo, wenn auch nicht mehr da. Und Notschka fragte mich, ob man noch einmal zur Welt kommen könne (woher hat sie denn sowas, sie ist erst drei Jahre alt). Und da sagte ich, der Körper sei dann sicher nicht mehr derselbe, aber bei der Seele könne das schon sein.

Ich kann nur von Glück reden, dass sie mich nicht nach dem Körper gefragt hat. Denn darauf hätte ich noch weniger eine Antwort gewusst. Oder wie sagt man einem dreijährigen Mädchen, dass der leblose Körper verscharrt oder – aus der Optik eines Kindes wohl kaum besser – verbrannt wird?

Will wohl heissen, dass ich mich für die Zukunft auf die Suche nach adäquaten Antworten machen muss.

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