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Stau vorem Gubrist

June 10th, 2010 Diva 2 comments

Letzte Woche waren wir im Nassurlaub in der Surselva. Trotz Dauerregen war es schön und wäre die kleine Tienka nicht krank geworden, wäre es auch bestimmt erholsam gewesen. Auf der Heimfahrt, als Sam das Auto lenkte und die Mädchen auf den Rücksitzen einnickten, berieten wir uns darüber, ob wir eine Pause einlegen wollten. Sam sagte, wir könnten am Walensee halten. Dabei fiel mir auf, dass wir dafür die Autobahn verlassen müssten, was natürlich seit Jahren der Fall ist, aber damals, als wir ALL HENNENSCHISS ins Bündnerland fuhren, weil wir nun mal Bündner sind und es völlig normal ist für Bündner, dass sie dauernd ins Bündnerland fahren, auch oder insbesondere, wenn sie in Zürich leben, damals also, musste man nicht extra die Autobahn verlassen um am Walensee zu halten, damals hielt man sowieso, weil man im Stau stand.

Stau am Walensee ist ja sozusagen ein stehender Begriff und Leute in meinem Alter und/oder älter assoziieren mit Walensee wohl in erster Linie Stau, das Cabaret Rotstift hat das seinige dazu beigetragen. Und als ich so darüber nachdachte, fand ich es fast schade, dass man nun einfach am Walensee vorbeibolzt und meine Töchter vom Stau am Walensee genau gar nix mehr mitkriegen und dann habe ich mir überlegt, an welchen Stau sie sich irgendwann einmal erinnern werden und ich kam zum Schluss, dass es „Stau vorem Gubrist“ wohl sein werde. Das fand ich dann noch mehr schade, weil der Stau vor dem Gubristtunnel noch nicht mal mit Ferien oder Ausflügen verbunden ist sondern ein ganz ordinärer Alltagsstau ist, der, man kann es drehen und wenden wie man will, nur nervt.

So gesehen waren wir doch gesegnet, die, die ihn kennen, den Stau am Walensee.

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Römertöpfe

May 24th, 2010 Diva 1 comment

Als ich noch klein war, also irgendwann vor längerer Zeit, als es Leute gab, die mit Keilhosen und/oder Jeans mit einem dicken, weissen Streifen herumliefen (und – wie ich jüngst von einem Star-Trek-Anhänger gelernt habe, es Männer gab, die es cool fanden, sich Pfannendeckel an die Knie zu schnallen, aber das ist ja wohl ein anderes Thema…), also damals, gehörte es zum guten Ton, einen Römertopf zu besitzen und, schlimmer noch, auch zu benutzen. Jede Frau aus der untersten bis zur oberen Mittelschicht konnte einen Römertopf ihr eigen nennen. Und es wurde darüber geredet, gar philosophiert.

Ich fand den Römertopf schon damals irgendwie lächerlich. Es sah einfach aus, als würde man ein Stück Fleisch in einem unförmigen Blumentopf braten. Aber natürlich war das kein Vergleich. Es wurden Rezepte ausgetauscht und Tipps weitergegeben, wie der Braten noch saftiger bleibt, nebst der erfolgreichen Wässerung des Römertopfs.

Gähn.

Und jetzt, dreissig Jahre später, stelle ich fest, dass es sowas wie ein Römertopf-Revival zu geben scheint und ehrlich, ich finde das grauenhaft.

Mehr wollte ich gar nicht sagen.

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Zwei nebeneinander

April 29th, 2010 Diva No comments

Also – es gibt die Situation, in der sich zwei Menschen nebeneinander befinden und quasseln. In zwei Fällen ertrage ich es nur schlecht. Die eine ist die im Kino, wenn sich die zwei besagten Menschen vor mir befinden und sich den ganzen Film lang unterhalten. Untermauert wird dies oft durch das wilde Klopfen auf die Schenkel und/oder das rhythmische Stupsen in die Seite mit dem Ellenbogen. Oh Graus. Da ich aber kaum noch ins Kino gehe, trifft mich das nicht mehr ganz so sehr.

Die zweite Situation indes finde ich unglaublich nervig. Es sind die zwei Personen, die auf der Hauptstrasse auf dem Fahrrad sitzen, nebeneinander herfahren und diskutieren. Warum gehen sie überhaupt Velo fahren? Sollen sie doch Tischtennis spielen, dabei lässt es sich doch bestimmt gut plaudern. Meistens sind es ja Männer und es sind wahrscheinlich auch die Männer, die andere auf dem Velo sitzende Menschen anhupen. Und warum haben sich Männer auf einmal soviel zu sagen, wo sie sonst, wenn es beispielsweise um Haushaltspflichten, Beziehungsratschläge, Umweltpolitik, das Schweigen der Lämmer mimen? Und dann – wenn wir doch gleich mal beim Thema sind – wieso tragen diese Männer immer so grauenhafte Veloleibchen? Moment Moment, es ist mir schon klar, dass das super gut ist und genau das richtige für diesen Sport und Aerodynamik und blabla. Aber es sieht ziemlich blöd aus, dieses Trikot mit dem Täschchen hinten für den Kohlenhydrateriegel. Gibt es diese Shirts eigentlich nicht auch uni? Muss denn immer Warsteiner oder Phonak draufstehen? Ich frage ja bloss, weil ich es ansatzweise herzig finde, kleine Jungs im FCZ-Trikot rumrennen zu sehen, es allerdings eher ins peinliche überschwappt, wenn die kleinen Jungen zu grossen Jungs heranwachsen.

Nicht, dass ich nichts Besseres zu tun hätte, als über Velofahrer in Clownskostümen zu schreiben, aber was gesagt werden muss, muss gesagt werden. Velofahren. Als ich noch klein (okay, jung) war, hat man mir beigebracht, am rechten Strassenrand zu fahren. Hintereinander. Was gut ist. Nebeneinander, nix gut.

Und jetzt habe ich wirklich besseres zu tun.

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Ich, Ausländerin

April 9th, 2010 Diva 1 comment

Meine Tochter Notschka liebt Ikea. Nicht wegen Billy & Co. sondern wegen Mandelkuchen & Co. Kürzlich hatten wir mal wieder einen Notschka-Mama-Tag, den wir im Ikea-Restaurant bei Mandel- bzw. Daimkuchen starteten. Nachdem der Kaffee leergetrunken und die Kuchen weggeputzt waren, gingen wir noch aufs Klo. Und dort trafen wir sie. Die alte Frau, die in ihrer Handtasche nestelte und Notschka etwas anbot. Ich weiss nicht so genau, was es war, aber es sah mir nach Sticker oder Marken aus. Ich wusch mir gerade die Hände, als die Frau meine Tochter fragte, ob sie das haben wolle und meine Tochter den Kopf schüttelte und näher an mich heranrückte.

Die Frau liess nicht locker. Kam näher, wedelte mit irgendwas vor Notschkas Kopf herum und sagte, sie könne es ruhig nehmen, aber Notschka versteckte sich hinter mir.

Und als die alte Schachtel nochmals Luft holte und sagte, sie solle es jetzt nehmen, nahm ich meinerseits Luft und sagte, meine Tochter wolle das ganz offensichtlich nicht haben und nur weil sie erst drei Jahre alt sei hiesse das noch lange nicht, dass man das nicht zu respektieren habe und sowieso fände ich es nicht in Ordnung, dass sie fremden Kindern etwas aufzudrängen versuche, wo ja wohl jeder wisse, dass man Kindern beibringe, von Fremden nichts anzunehmen.

Die Frau kam sehr nah zu mir. So nah, dass sie mich mit jedem gesagten Wort auch noch ein bisschen anspuckte, und sagte, andere Kinder hätten das gerne genommen, worauf ich sagte, dass es mir gerade ziemlich gleichgültig sei was andere Kinder tun würden und dass es trotzdem eine Frechheit sei, was sie da abziehe und dass sie ein „nein“ doch einfach akzeptieren soll.

Und dann zog die Alte ihren Trumpf und sagte: Sie sind halt nicht Schweizerin!

Zack.

Wir waren allein. Die Alte, Notschka und ich. Aber eben, Notschka war dabei und sie ist gerade mal drei Jahre alt. Ich hätte der alten Dreckschleuder wirklich gerne meine Meinung gegeigt, aber mit meiner Tochter an der Hand mochte ich mich nicht mehr äussern.

Nur jetzt, im Nachhinein, jetzt wünschte ich, ich hätte das, was ich hätte sagen wollen, auch wirklich gesagt.

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Bisi

March 25th, 2010 Diva 1 comment

Momentan vernachlässige ich diesen Blog ein wenig, weil ich gerade schampar bisi bin. Ich bin gerade dabei zu versuchen, ein Produkt in Korea produzieren zu lassen und es dann zu importieren. Und das ist schwierig. Manchmal auch lustig. Aber vor allem nervenaufreibend. Und oft mühsam. Hie und da unglaublich. Und momentan gerade etwas frustrierend. Aber auf jeden Fall ist das der Grund, weshalb ich für andere Dinge im Leben gerade etwas wenig Zeit habe.

Hie und da aber bin ich am warten, wie jetzt gerade. Und dann fange ich an zu tippen, obwohl ich gar nicht weiss, worüber ich etwas schreiben soll. Denn es passiert nicht viel in meinem Leben. Gestern zum Beispiel, war ich mit den Mädchen bei meiner Schwiegermutter, was unspektakulär war. Als wir auf dem Spaziergang bei einer älteren Frau vorbeikamen, die mit meiner Schwiegermutter zu plaudern begann und sich über Brot, welches am Boden herumlag aufregte, sagte ich, eventuell seien Hänsel und Gretel hier durchgekommen. Aber keiner der Anwesenden verstand den Witz. Zu alt oder zu jung. Wahrscheinlich muss ich bei dieser Frau von nun an mit dem Prädikat „durchgeknallt“ leben, was ich gut kann.

Und heute muss ich auf den Sanitärinstallateur warten, der anfangs Woche einen Termin verlangt, ihn aber nie bestätigt hat, weshalb ich jetzt nicht weiss, ob er vorbeikommt oder nicht. Ich könnte natürlich einfach weg gehen, und, falls er dann vor verschlossener Tür steht, hinterher sagen, er hätte den Termin ja nicht bestätigt, aber es liegt uns eben viel daran, dass die Sache erledigt wird. So ist es ja immer mit den Sanitärinstallateuren.

Dumdidum. Ich merke gerade, dass ich gar nicht so bisi bin, weil ich warte warte warte. Ich könnte viele Dinge tun, aber ich bin zu müde/träge/unmotiviert, deshalb tue ich so, als müsste ich warten um weitermachen zu können. Armselig, irgendwie. Na dann mache ich halt doch weiter. Los.

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