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Archive for February, 2012

Herzige arme Patenkinder

February 21st, 2012 No comments

Heute habe ich etwas gesehen, das ich sehr befremdend und auch etwas irritierend finde. Und eigentlich auch zum kotzen. Ich habe im facebook Gespräche und Kommentare über Patenkinder in Kambodscha gelesen. Von Menschen, die Geld bezahlen und dafür ein Patenkind in einem Drittweltland kriegen. Und natürlich wird diesem Kind dann etwas ermöglicht, das ohne den reichen Paten aus der Schweiz undenkbar oder nur unter erschwerten Bedingungen denkbar wäre, aber so, wie diese “Paten” hier in der Schweiz darüber parlieren, degradiert es die Angelegenheit zu einer Selbstbefriedigungs-Orgie und das Patenkind wird meines Erachtens seiner Würde beraubt.

Es ist ja lobenswert, wenn sich Menschen für andere Menschen einsetzen und ich finde es toll, dass gewisse Menschen aus Nächstenliebe etwas für Drittweltkinder tun, aber was da abgeht, finde ich nur daneben. So meinte eine Frau, die Gööfli seien total schnüge und eine andere fordert alle auf, eine Patenschaft zu übernehmen, denn “es tut euch selbst mindestens so gut wenn nicht mehr wie dem Kind”.

Natürlich werden die dankbaren Kinder dann fotografiert und das Foto publiziert. Und – der Gipfel – die Kinder werden getagt, und zwar mit dem Namen des Paten / der Patin. Damit alle Welt sieht, wer ein gutes Herz für arme Kinder hat.

Alles, das Ganze ist erbärmlich. Aber die Paten klopfen sich jetzt selbst auf die Schulter und beglückwünschen sich für ihre Selbstlosigkeit. Das ist so kotzenswert armselig. Und das macht mich echt total sauer.

UÄH!

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Tätärätätääää

February 17th, 2012 No comments

Seit meine grosse Tochter den Kindergarten besucht, kommen immer mal wieder Events auf uns zu, die ich, wenn es nach meinem Willen ginge, schlicht ignorieren würde. Räbeliechtliumzüge sind ja wenigstens noch hübsch anzuschauen und je nach Talent der Kinder auch nett anzuhören. Bei der Kinderfasnacht hört der Spass für mich allerdings auf. Genau das aber blüht uns nächste Woche.

Mir, als die in einer Region mit Gott (oder wem auch immer) sei Dank ohne Fasnachtskultur (man beachte die Ironie dieses Wortes) aufgewachsene Person, bereitet die Angelegenheit jetzt schon Sorgen, meine Töchter indes finden es wahnsinnig spannend und sehen ihrem Auftritt als wahrscheinlich-Prinzessin-vielleicht-auch-Rapunzel und Marienkäfer mit viel Aufregung und grosser Freude entgegen, was wirklich rührend ist, weshalb ich ihnen die auch nicht gänzlich vermiesen möchte. Ich ging ja mein Leben lang als Koreanerin an die Fasnacht und habe einen Feenstab nie wirklich vermisst.

Mir ist einfach nicht abschliessend klar, was diese Fasnacht nun bringen soll. Klar geht es um eine alte Tradition und klar hat das offenbar etwas mit Kulturgut zu tun, trotzdem erkenne ich null Sinn darin, sich zu maskieren um sich dann niveaulos zu benehmen. Mir gelingt das jeweils auch ganz gut ohne Maske und die alljährliche Magenverstimmung reicht mir ebenso, ich halte es deshalb für schlicht unnötig, sich zu besaufen bis der Notarzt kommt. Das tun Kinder zwar noch nicht (oder?), ich sehe diese Kinderfasnacht allerdings als Einstiegsdroge. Meine Mädchen werden angefixt. Und das in einem Marienkäferkleidchen.

Aber ja nu. Was soll ich tun? Ich sehe mich jetzt schon in einer Ecke stehen und mit Konfetti um mich schmeissen. Stimmung!

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Schwitzen im Winter

February 9th, 2012 No comments

Gestern waren Sam und ich unterwegs, ein Öfeli kaufen. Wir haben zwar ein Öfeli, aber das ist klein und das eine reicht nicht, um unser kaltes Haus auf angenehme Temperaturen zu heizen. Wir haben auch ein zweites Öfeli ausgelehnt gekriegt, aber wenn wir das einstecken, haut es drei Sicherungen bzw. FI raus, was die Sache nur bedingt angenehmer macht. Wir zogen also los. Es war eisig kalt, deshalb brauchen wir ja das Öfeli, entsprechend warm waren wir angezogen.

In den Warenhäusern indes ist es aber jeweils tiptop geheizt, was mich jeweils fast umbringt. Im Wintermantel mit Schal und Handschuhen durch ein warmes Warenhaus zu gehen ist mitunter etwas vom grauenhaftesten überhaupt und es vergehen keine drei Minuten, bis mir ein bisschen schlecht wird. Nach weiteren fünf Minuten rinnt mir der Schweiss vom Nacken den Rücken runter. Nach weiteren zehn Minuten bilden sich Schweissflecken in der Grösse des Kantons Graubünden unter den Achselhöhlen. Der Geruch von Kartonverpackungen, frischem Plastik und Körperausdünstung schwitzender Kunden in meiner Nase lässt mein Gehirn in den Schnellentscheidmodus switchen und ich werde zum Ja-Sager.

Wir haben also das erste Öfeli genommen. Wir werden nicht erfahren, ob es das erstbeste Öfeli war, weil man mich bei diesen Temperaturen so schnell nicht mehr ins Warenhaus bringt.

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Freizeitbeschäftigungssuche

February 9th, 2012 No comments

Meine Kinder sind fünf und drei Jahre alt. Also noch klein. Aber im nächsten Sommer kommt die kleinere ebenfalls in den Kindergarten und dann ist sie fünfmal die Woche weg. Und ehrlich, ich fürchte mich etwas vor dieser Zeit, denn einerseits ist es toll, endlich einmal etwas “Freiheit” und Flexibilität zurück zu gewinnen, andererseits frage ich mich, was ich in der Zeit dann tun soll. Um eine bezahlte Arbeit anzunehmen reicht die Flexibilität eben doch nicht und um Kaffeekränzchen mit den Müttern in der Nachbarschaft zu veranstalten ist es zuviel. Jeden Tag zum Coiffeur, in die Maniküre oder Pediküre zu gehen ist schon auch mal nett, aber um sowas über längere Zeit täglich zu machen ist es sowohl zu teuer wie auch zu langweilig. Was also tun?

Ach ja, genau. Es gibt ja noch Hobbies. Und genau da liegt mein Problem. Ich habe keines, ausser lesen und das ist hochgradig asozial und das tue ich schon jeden Abend vor dem Einschlafen. Ich brauche also ein neues Hobby, das aber gewisse Kriterien erfüllen muss.

Kein Sport. Gymnastik und Turnen füllt Gräber und Urnen. Ich habe in meinen Kinder- und Jugendjahren soviel Sport gemacht, dass mir sämtliche Gelenke schmerzen. Ich habe mein Soll erfüllt, das muss für ein Leben reichen.

Lieber kein Instrument. Ich habe nichts gegen schöne Musik, aber Lärm mag ich einfach nicht. Und leider ist das, was Anfänger produzieren näher am Lärm als an der schönen Musik anzusiedeln. Ich habe ein paar Jahre Querflöte gespielt und es nie gemocht.

Kochen. Mag ich. Tu ich aber sowieso schon täglich und ehrlich, wenn Kinder aus dem Kindergarten kommen, sind sie nicht so scharf auf ausgeklügelte Menüs, die vier Stunden Vorbereitungszeit in Anspruch genommen haben. Meine Kinder stehen auf Hausmannskost, da reicht auch eine halbe Stunde, um sie zuzubereiten.

Schreiben. Mag ich. Nur fehlt mir der Stoff, aus dem Bücher sind – leider. Es reicht ja nicht einmal mehr um regelmässig zu bloggen und seit es facebook gibt, haben Gedankenblitze und Schnellschüsse endlich ein Zuhause.

Klöppeln, Stricken, Häkeln, Makramee. Grundgütiger.

Also. Ich suche weiter. Ich habe noch über ein Jahr Zeit. Vielleicht wird bis dann ein neues Hobby erfunden. So etwas wie Planking, aber nachhaltig. Ich gebe die Hoffnung nicht auf.

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Schade eigentlich

February 4th, 2012 No comments

Mit zunehmendem Alter geschieht es auch häufiger, dass jemand im Verwandten- oder Bekanntenkreis stirbt. Das ist natürlich sehr schade. Manchmal mehr, manchmal, nun ja… man möchte ja auch nicht, dass die Menschen leiden müssen.

Kürzlich also haben wir eine Todesanzeige gekriegt. Die allererste überhaupt, seit Sam und ich zusammen leben. Die erste auch, seit ich erwachsen bin. Die erste also, auf die ich vielleicht hätte reagieren sollen. Bei der verstorbenen Person handelte es sich um eine Person, die wir beide nicht einmal kannten, und die ein biblisches Alter von 101 Jahren erreichte. Den Sohn, welcher uns als Hinterbliebener die Anzeige geschickt hat, kennen wir allerdings, wenn auch nicht gut.

Was also tun.

Zuerst wollten wir eine Kondolenzkarte schicken. Aber natürlich hatten wir so etwas nicht im Haus herumliegen und als wir uns daran machten, die Karte zu schreiben, war nicht mehr viel Zeit, eine solche zu kaufen. Ich fand eine Karte mit einem Smiley drauf. Sam fand eine Karte, auf der “Schade, macht aber nichts” draufstand. Meinen Vorschlag, den Smiley auszuschneiden und wenigstens auf schwarzes Papier zu kleben, verwarfen wir schnell.

Dann aber fand ich noch eine Karte von einer Winterlandschaft von der wir beide fanden, dass sie als Beileidsbekundungskarte knapp durchgehen könnte. Ja und dann – dann suchten wir nach Worten.

Mir kamen die Sprüche “Wer früher stirbt, ist länger tot” sowie “lieber reich und gesund als arm und krank” in den Sinn. Ausserdem noch “Mach es wie die Sonnenuhr, zähl die heiteren Stunden nur”.

Wir haben keine Karte geschickt. Wir tun es das nächste Mal. Bis es soweit ist, sammle ich angemessene Sprüche. Und Karten.