Weil wir ziemlich grenznah… also, genauer gesagt, sehr grenznah wohnen, gehe ich gelegentlich drüben im Chinesischen Restaurant Essen holen, so auch gestern. Ich war etwas früh dran, hatte aber grossen Hunger und so kam es, dass ich um halb zwölf beim Chinesen war und Essen zum Mitnehmen bestellte. Dabei fiel mir auf, dass das Lokal schon gut besetzt war. Beim genaueren Hinsehen fiel mir weiter auf, dass die Klientel allesamt die 70er Altersgrenze überschritten hatte. Und beim genauen Hinhören merkte ich, dass es sich ausnahmslos um Schweizer handelte. Das ist natürlich total unspektakulär, wenn ich nicht so peinlich berührt gewesen wäre, was ich natürlich gar nicht zu sein bräuchte, da ich irgendwie sehr unschweizerisch aussehe, aber weil ich mich der Schweiz eben schon sehr verbunden fühle, war ich entsetzt über den Umgang der Schweizer Kundschaft mit dem Deutsch-Chinesischen Personal.
Nicht genug, dass alle sehr sehr laut sprachen (Man ist im Ausland, man versteht uns nicht, ergo sprechen wir laut und da das Personal ausschliesslich Chinesischer Herkunft ist, sind es doppelte Ausländer, demzufolge sprechen wir noch lauter), nein, das Personal wurde aus meiner Sicht unglaublich schlecht behandelt. Im Sinne von unanständig. Die Kunden benahmen sich, als würden sie bei den kleinen Chinesen Entwicklungshilfe leisten. Sie benahmen sich sehr gönnerhaft und sagten Dinge wie: “Ach lueg emal die Chinesin, wie es chlises Ameisi rennt sie umenand”. Und dann liessen die alten Schweizer Schenkelklopferwitze, die sie vermutlich im Alterswohnheim vom Insassengspänli erfahren haben, auf Extremhochdeutsch mit 250 Dezibel und etwas Spucke aus ihren runzeligen Mündern fahren, nur fanden das die Chinesischen Gastgeber ganz offensichtlich nicht so lustig, was die Schweizer im besten Fall dazu bewegte, den Witz mit noch mehr Schmackes zu wiederholen, im schlechtesten Fall klopften sie den Chinesen mitleidig auf den Rücken oder sonstwohin.
Ich liess mir das Beef Szechuan einpacken, zahlte, verbeugte mich auf Koreanische Art und schlich lautlos aus dem Lokal.
Wir wohnen auf dem Land und da auf dem Land, sind Kindergrippen rar gesät. Hat man einen Krippenplatz, stellt man keine weiteren Fragen. Hat man sogar Krippenplätze für beide Kinder, ist man einfach dankbar und tut, was die Krippenleitung will. Gerade kürzlich wurde der lustige Brauch eingeführt, dass das Kind sein Namenskärtchen am Morgen selbst aus einer Kiste suchen und aufhängen darf. Das ist eine wirklich tolle Idee. Denn es gibt schwerlich etwas Besseres um sieben Uhr in der Früh, als in einer Reihe zu stehen und zu warten, bis die Kinder anderer und der eigenen Familie das Kärtchen aus der Box geholt haben (ich will selber, selber gross, selber machen) und es dann an einem Seil aufgehängt haben, das so weit oben hängt, dass man die Kinder hochheben muss. Das macht richtig Laune.
Und dann, eines Tages, lag da mal wieder ein Elterninformationsblatt herum. Ich lege meine Stirn normalerweise schon in Falten, bevor ich den ersten Satz gelesen habe, denn die Lebens- und Arbeitseinstellung von angestellten Personen einer Kinderkrippe und die von – sagen wir einmal – mir, könnten weiter auseinander kaum liegen. Auf jeden Fall stand da auf dem Blatt, dass man dieses Jahr eine tolle Adventsidee gehabt habe und dass es einen Kalender der besonderen Art geben werde, denn die Eltern hätten Gelegenheit, eine Überraschung für die Kinder vorzubereiten. Zum Beispiel aus einem Buch vorzulesen oder ein Spiel zu spielen oder sonst etwas, das man gerade aus dem reichen Fundus von Kinderbeschäftigungen herauszaubert.
So.
Was jetzt. Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass wir viel Geld bezahlen für die Betreuung unserer Kinder und es deshalb nicht angebracht ist, nebst dem Geld auch noch Entertainment zu verlangen. Zumal man normalerweise arbeitet und nicht einfach mal so den Kasper in der Krippe geben kann. Andererseits finde ich es für meine Töchter grausam, wenn die anderen Eltern etwas machen und ihre Eltern sich weigern.
Die Angelegenheit mit dem Krippenpersonal zu besprechen bringt genau gar nichts, wie mein Mann und ich aus der Vergangenheit wissen. Was also tun? Folgendes werde ich tun. Ich werde mich auch weiterhin aufregen. Ich werde die Kröte aber schlucken, weil wir keine andere Wahl haben und weil ich nicht möchte, dass die Kinder dafür büssen müssen, dass uns die Krippenleitung doof findet.
Tragisch.
Ich mag Ja-Sager nicht. Natürlich ist nicht jeder, der eine Frage mit “ja” beantwortet unten durch bei mir und ich meine hier auch nicht das “ja”, welches als Gegenteil von “nein” verstanden sein soll sondern das ja, das etwas suggeriert, was nicht ist. Nämlich, wenn mir eine mir wildfremde Person etwas erzählt und dabei so tut, als hätte sie es schon mehrmals erwähnt und als sei es wirklich total offensichtlich und eigentlich sei es total mühsam, dass sie sich dauernd wiederholen müsse für mich. Dieses “ja” eben. Sowas in der Art: “Ich habe ja kürzlich ein Auto gekauft” oder “Wir waren ja im letzten Jahr in Amerika” oder “Ich wollte ja schon immer auswandern”. Dieses “ja”, meine ich. Und das von einer Person, die mir noch nie begegnet ist. Und ich, die dann solche Aussagen schon mal mit “nee, echt? Das hab ich voll verschwitzt” oder “ach ja – ich leide JA an Alzheimer im fortgeschrittenen Stadium” oder “Mist, ich habe meine Gedächtnispillen schon wieder verhühnert” zu quittieren, werde immer angeschaut, als hätte ich nicht alle Tassen im Schrank.
Und dann gibt es noch die Oder-Sager. Die nerven nicht minder, oder?
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