Ich, Ausländerin
Meine Tochter Notschka liebt Ikea. Nicht wegen Billy & Co. sondern wegen Mandelkuchen & Co. Kürzlich hatten wir mal wieder einen Notschka-Mama-Tag, den wir im Ikea-Restaurant bei Mandel- bzw. Daimkuchen starteten. Nachdem der Kaffee leergetrunken und die Kuchen weggeputzt waren, gingen wir noch aufs Klo. Und dort trafen wir sie. Die alte Frau, die in ihrer Handtasche nestelte und Notschka etwas anbot. Ich weiss nicht so genau, was es war, aber es sah mir nach Sticker oder Marken aus. Ich wusch mir gerade die Hände, als die Frau meine Tochter fragte, ob sie das haben wolle und meine Tochter den Kopf schüttelte und näher an mich heranrückte.
Die Frau liess nicht locker. Kam näher, wedelte mit irgendwas vor Notschkas Kopf herum und sagte, sie könne es ruhig nehmen, aber Notschka versteckte sich hinter mir.
Und als die alte Schachtel nochmals Luft holte und sagte, sie solle es jetzt nehmen, nahm ich meinerseits Luft und sagte, meine Tochter wolle das ganz offensichtlich nicht haben und nur weil sie erst drei Jahre alt sei hiesse das noch lange nicht, dass man das nicht zu respektieren habe und sowieso fände ich es nicht in Ordnung, dass sie fremden Kindern etwas aufzudrängen versuche, wo ja wohl jeder wisse, dass man Kindern beibringe, von Fremden nichts anzunehmen.
Die Frau kam sehr nah zu mir. So nah, dass sie mich mit jedem gesagten Wort auch noch ein bisschen anspuckte, und sagte, andere Kinder hätten das gerne genommen, worauf ich sagte, dass es mir gerade ziemlich gleichgültig sei was andere Kinder tun würden und dass es trotzdem eine Frechheit sei, was sie da abziehe und dass sie ein „nein“ doch einfach akzeptieren soll.
Und dann zog die Alte ihren Trumpf und sagte: Sie sind halt nicht Schweizerin!
Zack.
Wir waren allein. Die Alte, Notschka und ich. Aber eben, Notschka war dabei und sie ist gerade mal drei Jahre alt. Ich hätte der alten Dreckschleuder wirklich gerne meine Meinung gegeigt, aber mit meiner Tochter an der Hand mochte ich mich nicht mehr äussern.
Nur jetzt, im Nachhinein, jetzt wünschte ich, ich hätte das, was ich hätte sagen wollen, auch wirklich gesagt.

Ich wünschte Deine süse kleine Maus wär nicht dabei gewesen und ich eine Eintagsfliege auf dem Damenklo…