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Archive for April, 2010

Zwei nebeneinander

April 29th, 2010 No comments

Also – es gibt die Situation, in der sich zwei Menschen nebeneinander befinden und quasseln. In zwei Fällen ertrage ich es nur schlecht. Die eine ist die im Kino, wenn sich die zwei besagten Menschen vor mir befinden und sich den ganzen Film lang unterhalten. Untermauert wird dies oft durch das wilde Klopfen auf die Schenkel und/oder das rhythmische Stupsen in die Seite mit dem Ellenbogen. Oh Graus. Da ich aber kaum noch ins Kino gehe, trifft mich das nicht mehr ganz so sehr.

Die zweite Situation indes finde ich unglaublich nervig. Es sind die zwei Personen, die auf der Hauptstrasse auf dem Fahrrad sitzen, nebeneinander herfahren und diskutieren. Warum gehen sie überhaupt Velo fahren? Sollen sie doch Tischtennis spielen, dabei lässt es sich doch bestimmt gut plaudern. Meistens sind es ja Männer und es sind wahrscheinlich auch die Männer, die andere auf dem Velo sitzende Menschen anhupen. Und warum haben sich Männer auf einmal soviel zu sagen, wo sie sonst, wenn es beispielsweise um Haushaltspflichten, Beziehungsratschläge, Umweltpolitik, das Schweigen der Lämmer mimen? Und dann – wenn wir doch gleich mal beim Thema sind – wieso tragen diese Männer immer so grauenhafte Veloleibchen? Moment Moment, es ist mir schon klar, dass das super gut ist und genau das richtige für diesen Sport und Aerodynamik und blabla. Aber es sieht ziemlich blöd aus, dieses Trikot mit dem Täschchen hinten für den Kohlenhydrateriegel. Gibt es diese Shirts eigentlich nicht auch uni? Muss denn immer Warsteiner oder Phonak draufstehen? Ich frage ja bloss, weil ich es ansatzweise herzig finde, kleine Jungs im FCZ-Trikot rumrennen zu sehen, es allerdings eher ins peinliche überschwappt, wenn die kleinen Jungen zu grossen Jungs heranwachsen.

Nicht, dass ich nichts Besseres zu tun hätte, als über Velofahrer in Clownskostümen zu schreiben, aber was gesagt werden muss, muss gesagt werden. Velofahren. Als ich noch klein (okay, jung) war, hat man mir beigebracht, am rechten Strassenrand zu fahren. Hintereinander. Was gut ist. Nebeneinander, nix gut.

Und jetzt habe ich wirklich besseres zu tun.

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Ich, Ausländerin

April 9th, 2010 1 comment

Meine Tochter Notschka liebt Ikea. Nicht wegen Billy & Co. sondern wegen Mandelkuchen & Co. Kürzlich hatten wir mal wieder einen Notschka-Mama-Tag, den wir im Ikea-Restaurant bei Mandel- bzw. Daimkuchen starteten. Nachdem der Kaffee leergetrunken und die Kuchen weggeputzt waren, gingen wir noch aufs Klo. Und dort trafen wir sie. Die alte Frau, die in ihrer Handtasche nestelte und Notschka etwas anbot. Ich weiss nicht so genau, was es war, aber es sah mir nach Sticker oder Marken aus. Ich wusch mir gerade die Hände, als die Frau meine Tochter fragte, ob sie das haben wolle und meine Tochter den Kopf schüttelte und näher an mich heranrückte.

Die Frau liess nicht locker. Kam näher, wedelte mit irgendwas vor Notschkas Kopf herum und sagte, sie könne es ruhig nehmen, aber Notschka versteckte sich hinter mir.

Und als die alte Schachtel nochmals Luft holte und sagte, sie solle es jetzt nehmen, nahm ich meinerseits Luft und sagte, meine Tochter wolle das ganz offensichtlich nicht haben und nur weil sie erst drei Jahre alt sei hiesse das noch lange nicht, dass man das nicht zu respektieren habe und sowieso fände ich es nicht in Ordnung, dass sie fremden Kindern etwas aufzudrängen versuche, wo ja wohl jeder wisse, dass man Kindern beibringe, von Fremden nichts anzunehmen.

Die Frau kam sehr nah zu mir. So nah, dass sie mich mit jedem gesagten Wort auch noch ein bisschen anspuckte, und sagte, andere Kinder hätten das gerne genommen, worauf ich sagte, dass es mir gerade ziemlich gleichgültig sei was andere Kinder tun würden und dass es trotzdem eine Frechheit sei, was sie da abziehe und dass sie ein „nein“ doch einfach akzeptieren soll.

Und dann zog die Alte ihren Trumpf und sagte: Sie sind halt nicht Schweizerin!

Zack.

Wir waren allein. Die Alte, Notschka und ich. Aber eben, Notschka war dabei und sie ist gerade mal drei Jahre alt. Ich hätte der alten Dreckschleuder wirklich gerne meine Meinung gegeigt, aber mit meiner Tochter an der Hand mochte ich mich nicht mehr äussern.

Nur jetzt, im Nachhinein, jetzt wünschte ich, ich hätte das, was ich hätte sagen wollen, auch wirklich gesagt.

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