Ach Dario
Das hier, das wird sowas wie eine Liebeserklärung. Eine an Dario Cologna. Denn ehrlich gesagt hatte ich in meinem Leben Freunde, für die ich weniger Mitgefühl empfand als momentan für Dario.
Aber mal von vorne.
Vorher fand an den Olympischen Winterspielen der 50er der Männer statt. Das ist sozusagen die Königsdisziplin. Sie wurde in der klassischen Technik ausgetragen. Dario Cologna, unser Trumpf aus dem Val Müstair (wir Bündner halten so oder so immer zusammen) war von Anfang an gut dabei.
Alles klappte, auch die Skiwechsel, was gar nicht so selbstverständlich ist, ich erinnere nur mal an Jean-Marc Gaillard, der nach dem Wechsel zuerst noch das Skiband (zum Zusammenhalten der Skier) vom Ski klauben musste. Ich könnte mir vorstellen, dass sich das Verhältnis von Jean-Marc und seinem Servicemann momentan in einem etwas frösteligen Stadium befindet, aber was interessieren mich die Franzosen. Zurück zu Dario.
Dario lief gut. Schön. Clever. Und viele fieberten mit. Man konnte dem Rennende gelassen entgegen sehen, denn Dario machte auch nach 40 Kilometern noch einen frischen Eindruck. Aber logo war ich trotzdem nah am Herzinfarkt, denn ich fiebere immer mit. Auf jeden Fall bei den Kunstturnern und den Genossen im Ski nordisch (nicht, dass ich Sportarten wie Bob oder Skeleton oder Rodeln oder Curling nicht auch extreeem spannend fände (als ich allerdings gehört habe, wie der Bronze-Curler Jan Hauser im Interview sagte, er habe sich vorgenommen, aggressiv zu spielen, fand ich das schon irgendwie seltsam)). Ich schweife ab. Zurück zum 50km Langlaufrennen. Es war gut. Und niemand schien sich Sorgen zu machen. Auch nicht, als Dario bei Kilometer 47 anfing, seinen Arm zu schütteln. Wenn er zum Sieg läuft, kann er das auch mit schlafendem Arm tun, finde ich. Wer bin ich denn, seine Extremitäten zu kritisieren.
Und dann, weniger als einen Kilometer vor dem Ziel drückten die Mitstreiter aufs Tempo. Und noch immer war alles im grünen Bereich, die Medaille zum Abholen schien bereitzuliegen. Nur noch die letzte Zielkurve. Go Dario. Achtung ein Schwede links! Und dann. Ich mag es gar nicht schreiben.
Ich war sprachlos. Ich schlug mir die Hand vor den Mund. Vor die Augen. An die Stirn. Mir war schlecht. Mein Puls raste.
Ich glaube, Jeannine (ja ja, DIE Jeannine) und Reto ging es ähnlich.
Was soll ich hier also schreiben. Sometimes, things don’t go the way they suppose to. Was für eine verdammte Scheisse.

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