Folienputz

Da, wo ich aufgewachsen bin, hat es einen Hügel bzw. Pass bzw. Berg, der sich zum Schlitteln sehr anbietet. Allerdings ist der Reiz des Schlittelns am Hausberg irgendwann etwas verblasst und gerade während der adoleszenten Phase gibt es andere Reize, denen man offener gegenübersteht.

Nun ist die Sache ja aber die, dass der Winter einmal im Jahr kommt und mit ihm auch der Schnee (als ich jung war, hatten wir noch viel viel Schnee im Unterland, von global warming war noch nichts zu hören, damals sorgten die Borkenkäfer für die Sorgenfalten der Grünen). In unserer Schule löste das insbesondere bei den Lehrern den Schlittelreflex aus, welchen ich und ein paar meiner Schulfreundinnen – namentlich Mona, Nina und Fiona – noch nicht mal im Entferntesten spüren konnten. Wir gaben uns also aufmüpfig, sodass der Lehrer sich einverstanden erklärte, uns mit einer anderen Aufgabe zu betrauen, währenddessen die bubigen Schüler dem Schlittelplausch frönten. Wir waren um die 15 Jahre alt, vier Mädchen mit dem Coolnessfaktor 100+.

Die Aufgabe des Lehrers war ziemlich einfach. Es gab einen Hellraumprojektor, dazu eine Folie und eben diese Folie musste geputzt werden. Mit Wasser und an den hartnäckigeren Stellen mit Nitroverdünner, Kanister anbei.

Klar hatten wir es lustig, lästerten, machten Witze, assen Süssigkeiten und hörten wahrscheinlich Nik Kershaw und/oder Kim Wilde und alles hätte ein gutes Ende nehmen können, wenn nicht eine von uns (ich bin mir ziemlich sicher, dass ich es nicht war) auf die glorreiche Idee gekommen wäre, den Nitroverdünner auszuleeren und die Folie ratzfatz durch das entstandene Seelein zu ziehen.

(Ich kann das Stirnrunzeln der Leser ja fast schon sehen).

Die Sache ging tip top voran, bis jemand merkte, dass da, wo das Seelein war, ein See entstand, weil der Nitroverdünner den Bodenbelag angriff und schon eine grosse Delle entstanden war. Clever wie wir waren, holten wir Wasser. Denn Wasser neutralisiert. Wir brauchten viel Wasser, weil sich der Verdünner schon richtig durch den Boden frass. Also holten wir viel Wasser. Aber es half nichts, der Boden-aufätz-Prozess liess sich nicht aufhalten. Und so taten wir das, was man in solchen Situationen tunlichst nicht tun sollte. Wir liessen einfach alles so, wie es war und hauten ab.

Ich weiss nicht mehr ganz genau, wie es weiterging, ich kann mich aber noch erinnern, dass wir ein telefonisches Aufgebot bekommen haben, uns anderntags etwas früher in der Schule einzufinden…

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One thought on “Folienputz

  1. Mona

    So dihei fühli mi! Du schriibsch immer wieder so gediegeni Sache! I want a Diva Block on MTV! du hetsch mi jetzt söllä gse, wonni das glese han….Errriiinerige , ich han das grad bim lese wieder so present gha! Han di gern! Und hoffe, dass mer ois im noie Jahr gsehnd!

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