Ich, Banausin
Anlässlich des Hinscheidens von Jeanne-Claude habe ich einmal mehr festgestellt, dass ich für diese Art von Kunst null Verständnis habe. Ich meine das nicht ganz so negativ, wie man das jetzt verstehen könnte, ich verstehe die Kunst einfach nicht, was nicht heisst, dass sie meines Erachtens keine Berechtigung hätte. Sie darf sein, sie berührt mich einfach nicht.
Und obwohl diese Kunst offenbar extrem kunstig ist – nicht umsonst heisst Jeanne-Claude Jeanne-Claude, man muss sich einen Namen verdienen, der so ganz ohne Nachnamen auskommt (auch wenn ich es immer verwirrend finde, wenn Frauen „Claude“ und Männer „Maria“ heissen, aber das ist ja wohl ein anderes Thema) und weil man diese Dame nur unter Jeanne-Claude kannte, impliziert das sozusagen, dass sie grosse Kunst machte. Obwohl ich eigentlich diese Verpackerei immer nur mit Christo verband. Im Herbst Pflanzen einpacken geht kaum ohne entsprechenden Spruch über Christo. Ich habe aber immer gesagt: „Christo war da“, nie „Jeanne-Claude war da“.
Aber zurück zur Sache.
Was also ist denn jetzt Kunst? Ich bin da ganz einfach gestrickt. Wenn jemand einen Vogel und/oder Apfel und/oder sonst was einfach so aus dem Gedächtnis heraus gut malen kann, finde ich, dass der Mensch künstlerisch begabt ist. Weil er etwas kann, was die wenigsten Menschen können. Wenn jemand einen Marsch komponiert, trifft das auch zu. Aber sonst..?
Dieses Einpacken von Dingen, ich fand das jeweils ganz lustig. Huch, der Reichstag ist weg, wo ist er wohl? Ahaaa, lass uns mal unter diesen Tüchern nachgucken. Hahaha.
Ich bin so eine grosse Banausin. Und ich lebe so gut damit.

Ja das mit der Kunst ist echt schwierig. Wer sich wie ein Volltrottel fühlen will, dem sei die Pressemitteilung zur Ausstellung von Fabrice Gygi an der Biennale in Venedig allerwärmstens empfohlen, ich armes Schwein hab sie live gesehen und mich vor Ort zum Deppen schlagen lassen müssen. Harmlos angekündigt auf der Seite der Schweizerischen Eidgenossenschaft wie folgt:
Biennale 09 – Fabrice Gygi
Auf Vorschlag der Eidgenössischen Kunstkommission beauftragt das Bundesamt für Kultur die in Basel, Karlsruhe und Paris arbeitende Künstlerin Silvia Bächli und den in Genf wirkenden Künstler Fabrice Gygi, die offiziellen Beiträge der Schweiz an der 53. Kunstbiennale Venedig zu gestalten. Fabrice Gygi zeigt seine Arbeit im Kirchenraum von San Stae.
zu sehen da:
http://www.bak.admin.ch/aktuelles/01832/02325/02329/index.html?lang=de
und nach dem Bildli konsumieren unbedingt die völlig bescheuerte Pressedoku lesen. Eine wahre Hilfe auf dem Weg zum Kunstverständigen und für den Schreiberling bestimmt sehr Selbstwert stiftend. Von Kunstfuzzimasturbation würde ich NIE sprechen.
Wenn Dir (vor allem moderne) bildende Kunst suspekt ist gibt es einen Tipp für ein Theaterstück von Nick Hornby. “Nipplejesus” ist eine pfiffigen Auseinandersetzung mit dem Thema und ist durchaus als Augenöffner geeinget. Ich habe das Stück diesen Sommer im Fotomuseum Winterhtur gesehen und war sowohl von der schauspielerischen Leistung wie auch vom Stück selbst beeindruckt. Wenn Du also eine Chance hast das Stück irgendwo zu sehen kann ich es sehr empfehlen. Im Minimum ist eine eine gute Abenuterhaltung. Im besten Fall regt es zu einer interessanten Auseinandersetzung mit dem Thema bildende Kunst an.
wer ist jeanne-claude?